Christian Scheid und Christian Drastil, zwei Beiräte des ZFA, veröffentlichen ihre Musterdepots regelmäßig. Christian Drastil hat zu Beginn des Jahres 2025 damit begonnen, Christian Scheid bereits vor mehr als einem Jahrzehnt. Entsprechend unterschiedlich sind die Ansätze und die Ergebnisse. Aber lassen wir die beiden selbst zu Wort kommen – wir haben an beide Herren die gleichen Fragen gestellt.
Beginnen wir mit Christian Scheid, Herausgeber von Zertifikate // Austria und Chefredakteur des ZertifikateJournals:
Was war Anfang des Jahres die Ausgangslage, und wie sieht es heute aus? Welche Performance haben Sie erzielt, und sind Sie damit zufrieden? Welche Markterwartung hatten Sie zu Beginn des Jahres 2025?
Meine Erwartung an 2025 war vorsichtig optimistisch. Vor diesem Hintergrund ist die tatsächliche Entwicklung besser ausgefallen: Das Zertifikate-Musterdepot von Zertifikate // Austria liegt aktuell bei rund +17,5 Prozent. Damit bin ich sehr zufrieden, auch wenn wir Indizes wie den ATX damit nicht übertroffen haben. Wichtig ist ohnehin die Langfristperspektive. Seit dem Start 2010 steht das Musterdepot bei +136,7 Prozent, während der ATX im selben Zeitraum auf +103,4 Prozent kommt.
Welche Ereignisse im Jahr 2025 haben das Portfolio signifikant beeinflusst?
Das globale Schuldenregime lenkt Kapital zunehmend in Sachwerte. Gold ist dabei ein Kernbaustein, weil sein Wert nicht aus Netzwerkeffekten entsteht, sondern aus physischer Knappheit. Die diesjährige Edelmetall-Hausse war folglich der maßgebliche Treiber im Portfolio. Meine traditionell hohe Gewichtung in Gold, Silber und verwandten Assets hat sich 2025 klar bezahlt gemacht.
Welche Transaktionen waren relevant für die Performance?
Die Zahl der Transaktionen war überschaubar. Die Basispositionen in Gold und Platin haben ihre Stärke ausgespielt, ergänzt durch Discount-Zertifikate auf den ATX für stabile Erträge. Spekulativ habe ich zur Jahresmitte auf eine Seitwärtsbewegung der Rheinmetall-Aktie gesetzt und dazu Inline-Optionsscheine verwendet. Ein Trade brachte 91,2 Prozent Gewinn, ein anderer endete mit –46,2 Prozent. Diese Spannweite unterstreicht, dass Inline-Optionsscheine strikt als spekulative Beimischung dienen sollten.
Welche Markterwartung haben Sie für die ersten Monate 2026, und wie positionieren Sie sich dafür?
2026 wird stärker unter der Frage stehen, ob wir uns in einer KI-Blase befinden. Diese Unsicherheit erzeugt Volatilität. Übergeordnet bleibt aber die Geldpolitik entscheidend. Die US-Zentralbank Fed hat gerade die Tür zu einem neuen QE geöffnet – ein deutlicher Rückenwind für Risikoanlagen. Das Jahr dürfte große Bewegungen bringen, ohne zwingend den bestehenden Trend zu brechen. Entscheidend sind die Trennung von Hype und Substanz und ein Fokus auf Bewertungen, die noch zur operativen Entwicklung passen. Für Zertifikate-Anleger spricht vieles dafür, Teilschutzprodukte verstärkt zu nutzen – insbesondere Discounter und Bonus-Zertifikate.
Wo kann man das Echtzeit-Portfolio während des Jahres beobachten?
Der Newsletter Zertifikate // Austria kann kostenfrei abonniert werden; dort wird das Musterdepot alle zwei Wochen ausführlich kommentiert. Anmeldung unter www.zertifikate-austria.at
Zudem ist der aktuelle Stand des Depots hier einsehbar: bitte klicken
Christian Drastil, Herausgeber von boerse-social.com, hat einen anderen Ansatz als Christian Scheid. Er meint: „Eines der schönsten Einsatzgebiete von Zertifikaten ist für mich als Zinsprodukt. Mit absolut überschaubarem Risiko kann man Anleihen und Sparprodukte outperformen. Freilich braucht so etwas langfristiges Buy & Hold und ist damit nicht für Musterdepots geeignet, da sich einfach viel zu wenig tut. Also journalistisch fad, dafür entspannte Geldanlage.“ Wir haben ihm die gleichen Fragen gestellt, hier seine Antworten.
Was war Anfang des Jahres die Ausgangslage, und wie sieht es heute aus? Welche Performance haben Sie erzielt, und sind Sie damit zufrieden? Welche Markterwartung hatten Sie zu Beginn des Jahres 2025?
Ich habe seit Jahren ein investierbares wikifolio zum Wiener Aktienmarkt, in das ich gemäß Prospekt nur Aktien aus Österreich kaufen kann, also Long only und Cash. Die Idee eines zusätzlichen Zertifikatedepots ist kein leichter Spagat, da die beiden gesamthaft gesehen werden müssen. Dies nach dem Stil, wie ich auch privat Real Money handle. Es hat im Grunde drei Aspekte: erstens das Erzielen von Seitwärtsrendite, zweitens hie und da Absicherungen über Puts und dann mit Hebelprodukten ein paar Wetten mit kleinem Einsatz zu spielen.
Das Zertifikatekonto wurde mit 20.000 EUR dotiert, und ich war stets nur zu maximal 55 Prozent investiert. Die Performance auf das eingesetzte Kapital liegt bei ca. 16,9 Prozent, das Basisdepot bei knapp 30 Prozent plus. Ziel war es, via Podcast diese Zertifikate-Einsatzgebiete zu erklären, und dafür bin ich mit der Performance (ist nach Spesen) sehr zufrieden.
Welche Ereignisse im Jahr 2025 haben das Portfolio signifikant beeinflusst?
Zunächst war ich wochenlang nicht im Markt: erst die Depot-Eröffnung, dann Dotierung, dann sind die Märkte heißgelaufen. Im Marktrückgang im April bin ich dann zur Hälfte reingegangen und hatte unter anderem mit einem DAX-Put gleich einen guten Start. Etliche Limits wurden 2025 nicht erfüllt, und vor allem im Bereich Bonus-Zertifikate gibt es leider viel zu wenig Angebot zu aktuellen Kursniveaus. Und natürlich hatte auch EUR/USD eine bremsende Wirkung. Reagiert habe ich mit wenigen ausgewählten Hebelprodukten. Das hat gut funktioniert.
Welche Transaktionen waren relevant für die Performance?
Ich beginne mit den Niederlagen: Ein hoch gewichtetes Bitcoin-Long-Zertifikat hat heuer einen destabilisierenden Effekt gehabt, und meine Wette auf fallende Zinsen über den vielleicht etwas weit hergeholten Einsatz der (fast noch) 100-jährigen österreichischen Bundesanleihe ist ebenfalls gefloppt. Diese Assetklassen habe ich falsch eingeschätzt. Die Performance machte ich vor allem mit einem aggressiven Bonus-Zertifikat auf Bayer, mit einem Turbo auf die RBI-Aktie und gutem Timing bei einem Nasdaq-Indexzertifikate-Kauf.
Welche Markterwartung haben Sie für die ersten Monate 2026, und wie positionieren Sie sich dafür?
Ich gehe davon aus, dass wir ein gutes Q1 sehen werden, und ich glaube auch, dass die Krypto-Assets wieder performen werden. Ich werde zum Jahresende noch die Verlustpositionen wegen des KESt-Guthabens realisieren (über Verkäufe und Teilverkäufe mehr als 1.800 Euro Bruttogewinn realisiert) und aus heutiger Sicht verstärkt in DAX-Schwergewichte gehen, hier denke ich z. B. an SAP. Auch Energiewerte gefallen mir in Österreich wie auch in Deutschland.
Wo kann man das Echtzeit-Portfolio während des Jahres beobachten?
Ich zeige mein Aktiendepot täglich im kostenfreien Börsenbrief (zur Anmeldung hier klicken), das Zertifikate-Depot wird im Podcast besprochen.
Zudem ist der aktuelle Stand des Depots hier einsehbar: