... über die Einstellungen der Österreicher zu Wertpapieren. Univ.-Prof. Dr. Bettina Fuhrmann leitet das Institut für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien und ist Beirätin des Zertifikate Forum Austria. Sie wird am 3. Juni 2025 im Rahmen des ZFA-Kongresses die gesamte Untersuchung detailliert präsentieren.
Die hier besprochene Befragung von 1.000 Erwachsenen in Österreich wurde vom Gallup-Institut im September 2024 auf Basis eines Fragebogens von Univ.-Prof. Fuhrmann durchgeführt. Die repräsentativen Ergebnisse wurden an der WU von Bettina Fuhrmann und Julia Rieß ausgewertet. Die Einbeziehung von Gallup wurde von trade republic GmbH finanziert.
Was hält die erwachsene österreichische Bevölkerung davon ab, mehr in Wertpapiere zu investieren?
Wir haben bereits seit Jahren in Interviews immer wieder vernommen, dass die Österreicher nicht investieren, weil es „zu riskant“ sei, dass man „viel verlieren“ könne, dass man „sehr viel Geld“ brauche und dass Wertpapiere „nur für Reiche“ seien oder dass man sich „gut auskennen“ und den „richtigen Zeitpunkt“ erwischen müsse, um mit Investitionen erfolgreich zu sein. Mich hat deshalb interessiert, welche Rolle Überzeugungen wie diese spielen, welche Bedeutung das Wissen über Wertpapiere hat, wie es überhaupt mit dem Interesse aussieht und ob die Investitionsentscheidung mit dem Haushaltsnettoeinkommen zusammenhängt. Das alles wollte ich untersuchen.
Hat es bei den Ergebnissen Überraschungen gegeben?
Manche Erkenntnisse waren für mich dramatisch: So gaben 50 Prozent der Befragten an, überhaupt kein Interesse an Wertpapieren zu haben – und das, obwohl so viele über die geringen Erträge bei Sparguthaben jammern. Lediglich 30 Prozent, also weniger als ein Drittel der Österreicher, hat Interesse an Investitionen in Wertpapiere. Das hat mich schon überrascht.
Noch dramatischer als das fehlende Interesse war für mich die Selbsteinschätzung des Wissens zum Thema Wertpapiere: 60 Prozent geben an, dass sie sich nicht auskennen, lediglich 25 Prozent halten sich für einigermaßen fit im Wertpapierwissen. Das ist eine sehr kritische Selbsteinschätzung, denn im internationalen Vergleich halten die Österreicher beim allgemeinen Finanzwissen durchaus mit. Wir haben im Rahmen der Umfrage auch Wissensfragen zum Thema Aktien, Anleihen und aktuellen Wirtschaftsfragen gestellt, und rund ein Drittel der Befragten hatte maximal eine Frage falsch beantwortet.
Worauf führen Sie diese Differenz zurück?
Sie halten Wertpapiere für kompliziert und riskant, das schreckt die meisten Menschen ab. Sie setzen Risiko ausschließlich mit Verlust gleich und ignorieren die Chancen. Wodurch das Risiko zum Ausdruck kommt, ist ihnen auch nicht bewusst. Wir haben beispielsweise gefragt, worauf bei ansonsten gleich ausgestatteten Unternehmensanleihen eine unterschiedliche Verzinsung zurückzuführen sei. Die meisten gaben an, dass die höhere Verzinsung der Anleihe auf die bessere Ertragslage zurückzuführen ist, denn wenn ein Unternehmen mehr Gewinn macht, kann es auch höhere Zinsen bezahlen. Das ist natürlich eine Fehlannahme.
Sie haben eingangs über Überzeugungen und Vorurteile gesprochen …
Wir haben Einstellungen zum Thema Kapitalmarktinvestitionen abgefragt, und das Fazit ist: Es fehlt das Vertrauen in den Wertpapiermarkt, vor allem bei Frauen! Die Ergebnisse zeigen die Hürden, die die Finanzbildung überwinden muss. 60 Prozent glauben, dass es jahrzehntelange Erfahrung braucht, um erfolgreich zu investieren, 50 Prozent meinen, mit kleinen Beträgen lohnt es nicht, 33 Prozent sind der Überzeugung, dass man am Kapitalmarkt mehr verlieren als gewinnen kann, und 30 Prozent halten die Aktienmärkte für eine Veranstaltung, die es ausschließlich für Reiche gibt.
Umgekehrt gefragt sagen uns 40 Prozent der Befragten, sie würden (nur) dann investieren, wenn es der absolut richtige Zeitpunkt ist, 35 Prozent würden investieren, wenn sie mit Sicherheit rasch Gewinne lukrieren könnten, und 10 Prozent würden – oder sie tun es tatsächlich – gleich in Krypto investieren.
Bei Immobilien glauben sie sich dafür ganz auf der sicheren Seite: 50 Prozent der Befragten sagen, Immobilien verlieren nie an Wert. Darauf sollte man sich auch nicht verlassen.
Stellen diese Überzeugungen das größte Hindernis für eine Hinwendung zu Wertpapieren dar?
Wir haben vor allem drei Faktoren identifiziert, die das Anlageverhalten beeinflussen: das Interesse, die Selbsteinschätzung des Wissens und das Haushaltseinkommen. Die Überzeugungen spielen zusätzlich eine starke Rolle, und es wäre die Aufgabe der Finanzbildung, mit Wissensvermittlung diese Überzeugungen zu hinterfragen und zu relativieren.