Starkes Wachstum im Zertifikategeschäft trotz Seitwärtsbewegung. Lars Reichel ist Head of Sales bei gettex Issuer Relations · Bayerische Börse AG.
Wie hat sich bislang im heurigen Jahr an Ihrem Haus das Geschäft mit Zertifikaten entwickelt?
Wir können gegenüber dem Vorjahr ein starkes Wachstum verzeichnen: So beläuft sich die Zahl der Orderausführungen bereits Ende September bei einem Plus von 11 Prozent auf 7,3 Mio. Orders gegenüber dem gesamten Vorjahr. Bei den Umsätzen ist die Entwicklung ähnlich – sie konnten gegenüber dem Vorjahr sogar um 15 Prozent auf 15 Mrd. Euro gesteigert werden. Insofern sind wir sehr zufrieden, nicht zuletzt auch, weil mit dem neuen Emittenten BNP Paribas das Angebot an strukturierten Wertpapieren auf aktuell über 715.000 Produkte ausgeweitet wurde. Da wird mit Sicherheit jeder Anleger und Investor fündig.
Welche Trends konnten Sie bei Privatanlegern beobachten?
Also über gettex werden überwiegend Hebelprodukte gehandelt und weniger Anlageprodukte, was sich auf die Haltedauer auswirkt. Hebelprodukte werden in der Regel mit kurzfristigem Anlagehorizont eingesetzt, aber auch genauso gut als Absicherungsinstrument für komplexe Depotstrukturen. Blickt man in die Statistik der meistgehandelten Zertifikate in den ersten neun Monaten, so bleiben – jenseits aller kurzfristigen Moden – die großen Indizes die Renner: an der Spitze die US-Indizes NASDAQ100 und Dow Jones, der DAX, und als Einzelwerte wären die CME Group, Novo Nordisk oder Tesla zu nennen.
Welche Entwicklung erwarten Sie für die kommenden Monate?
Nun, wir erhoffen uns einen neuen Schub für die Märkte durch die ab Mitte Oktober anstehende Berichtssaison. Denn momentan befinden wir uns in einem länger anhaltenden Seitwärtstrend – was angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen ja fast schon positiv zu bewerten ist. Für das Trading von Zertifikaten ist das eher unbefriedigend, da Volatilität neben Unsicherheit auch Raum für Kursphantasien lässt. Auf der anderen Seite sind genau jetzt Absicherungen günstig. So lange die Börsenrallye anhält, sollte man dabei sein, aber Warnzeichen rate ich ernst zu nehmen und vorzusorgen.
Wie können Trader und Anleger denn Warnzeichen erkennen?
Um dem Bedürfnis, die Märkte genauer einschätzen zu können, nachzukommen, haben wir auf gettex eigene Risk-Indikatoren abgebildet. Sie spiegeln das tatsächliche Verhalten der Trader auf gettex wider, basierend auf Daten des Zertifikate-, Optionsschein- und Aktienmarktes, die sie visualisieren, geteilt in kurz- oder langfristig, mit EU- oder US-Bezug. Vielleicht liegt in diesem riesigen Informationsangebot auch ein gewisses Risiko an Überengineering – also dass es noch schwerer fällt, Entscheidungen zu treffen. Oder dass Trader zu selbstbewusst agieren, denn eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht.
Wie haben sich die längeren Öffnungszeiten auf die Handelstätigkeit ausgewirkt?
Also was wir sagen können, ist, dass die verlängerten Handelszeiten von 7:30 bis 23:00 Uhr sehr gut angenommen werden. Ob es sich dabei überwiegend um eine Verlagerung von Geschäft oder tatsächlich Neugeschäft handelt, ist allerdings schwer abzuschätzen. Auf jeden Fall reagieren wir damit auf Kundeninteresse und bieten mehr Flexibilität.
Welche Rolle spielt bei Ihren Kunden, dass gettex keine Gebühren verrechnet, welche Kunden spricht das zuvorderst an?
Nun, das spielt zum einen eine große Rolle, weil damit viele der kostengünstigen Neobroker an gettex angebunden sind, die diese Preisvorteile an ihre Kunden weitergeben können. Aber auch alle anderen sogenannten Orderflow-Provider können ihren Kunden interessante Angebote machen. Erwähnen möchte ich aber auf jeden Fall, dass gettex nicht nur keine Maklercourtage und kein Börsenentgelt verlangt, sondern auch faire Kurse bietet und eine ganze Menge an Informationen auf der Website bereithält.